Betrachtet man die Statistik über Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen in den USA von 1999 bis 2020, so fällt eine bemerkenswerte Entwicklung auf.

In einem lesenswerten Leserbrief berichten 3 Autoren der University of Michigan über Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen in den Vereinigten Staaten von 1999 bis 2020. 1999 lagen mit weitem Abstand Verkehrsunfälle in einer Größenordnung von 10 je 100.000 Kindern und Jugendlichen an der Spitze der Todesursachen, schon gefolgt von schwerwiegenden Verletzungen durch Schusswaffen. Weitere Todesursachen waren angeborene Fehlbildungen, Neoplasien, Drogenabusus, Ertrinkungsunfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere, jeweils mit deutlich niedrigeren Inzidenzen (< 3 je 100.000 Kinder und Jugendliche).

Bemerkenswert ist der Abfall der Verkehrsunfall-Inzidenz von 1999 auf zuletzt 5 je 100.000 Kinder und Jugendliche bei einer gleichzeitigen Zunahme der Todesfälle durch Schusswaffengebrauch von 4,5 je 100.000 in 1.999 auf 5,5 je 100.000 Kinder und Jugendliche in 2020. So sind Todesfälle im Jahr 2020 am häufigsten durch Schusswaffengebrauch zu beklagen.

Kommentar:
Ein Ergebnis, das fassungslos macht. Es ist nicht zu verstehen, dass Schusswaffen zum Lebensgefühl einer zivilisierten Nation offenbar dazugehören sollen. Fehlerhafter Umgang oder aggressiver Einsatz führen in einem relevanten Maß zu Todesfällen bei Kindern und Jugend­lichen. Mittlerweile stellen Todesfälle durch Schusswaffen bei Kindern und Jugendliche über alle Altersgruppen betrachtet die häufigste Todesursache dar.


Autor
Univ.-Prof. Dr. med. Markus Knuf


Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2022; 93 (6) Seite 422