Kinder und Jugendliche zeigen - bedingt durch die Corona-Krise und die Schulschließungen – zunehmend psychische Auffälligkeiten, vor allem Depressionen und Angststörungen.

Darauf weist Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, hin. Er warnt auch vor neuen Abhängigkeiten wie „Gaming Disorders“, die sich bei unkontrollierter Mediennutzung entwickeln können.

Fischbach verweist auf entsprechende Studien und berichtet aus seiner eigenen Erfahrung in der Praxis. Er befürchtet eine Zunahme psychischer Erkrankungen und Entwicklungsdefizite bei Kindern. Viele Kinder und Jugendliche säßen mangels Freizeitmöglichkeiten und Kontaktbeschränkungen stundenlang vor den Bildschirmen und beschäftigten sich mit Computerspielen und Online-Angeboten. Dies könne zu Konzentrationsdefiziten, Schlafstörungen und Depressionen führen.

Laut einer DAK-Studie haben die Nutzungszeiten im Corona-Lockdown deutlich zugenommen. Während der Woche stiegen die mit Computerspielen verbrachten Zeiten von 79 auf 139 Minuten an, am Wochenende sind es sogar durchschnittlich 193 Minuten. Verglichen mit September 2019 stiegen so die Spieldauerzeiten im Mai 2020 um 75 Prozent an.

Häufiges Computerspielen führt aber nicht automatisch zu einem Suchtverhalten. Nach Einschätzung von Professor Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter am Deutschen Zentrum für Suchtfragen in Hamburg-Eppendorf, trifft dies lediglich auf drei bis fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen zu, bei denen es zu einem Kontrollverlust und zunehmender Priorisierung gegenüber anderen Lebensinhalten und Alltagsaktivitäten kommt.

Eine Längsschnittstudie im Frühjahr 2021 mit einer abschließenden Befragung der teilnehmenden Familien soll zeigen, inwieweit eine Mediensucht durch Schulschließungen und eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten droht.


KMS