Ist ein sogenanntes "Routine-MRT" immer sinnvoll und notwendig? Wie ist dabei das Risiko einzuschätzen, das sich durch die notwendige Sedierung ergibt? Dieser Frage sind finnische Forscher nachgegangen.
Eine finnische Arbeitsgruppe hat sich die Frage gestellt, welchen Stellenwert die MRT-Diagnostik des ZNS zur Einordnung leichter kognitiver Beeinträchtigung hat. Aus diesem Grund hat sie 471 Kinder nachuntersucht, bei denen aus klinischen Verdachtsmomenten heraus eine Untersuchung des Schädels mittels MRT durchgeführt worden ist.
Bei 305 Kindern fand sich eine leichte kognitive Beeinträchtigung. 38 (12,5 %) der Kinder mit leichter kognitiver Beeinträchtigung hatten signifikant pathologisch veränderte MRT-Befunde. 35 von diesen wiesen andere neurologische Symptome oder zusätzliche Erkrankungen neben der kognitiven Beeinträchtigung auf, woraus sich die Indikation für das MRT ergab. Mittels Regressionsanalyse konnten Krampfanfälle, Epilepsien, Bewegungsstörungen, Dysmorphien, Enzephalitiden, Schädel-Hirn-Traumata und Mikro- sowie Makrozephalie als statistisch signifikante Symptome oder Entitäten identifiziert werden, welche mit einer deutlich veränderten Bildgebung einhergehen. Nur 3 Kinder (1 %) mit einer milden kognitiven Beeinträchtigung wiesen MRT-Befunde ohne weitere klinische Symptome auf. Die Autoren dieser Studie schließen aus ihren Ergebnissen, dass ein sogenanntes „Routine-MRT“ bei Kindern mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung ohne spezifische Symptome, Dysmorphiezeichen oder assoziierte Erkrankungen zur Ermittlung der Ätiologie nicht zwingend notwendig ist. Sie geben zu bedenken, dass eine MRT-Untersuchung wegen der regelhaft notwendigen Sedierung auch ein Risiko darstellen kann. Sie betonen den Stellenwert einer ordentlichen Anamnese und klinischen Untersuchung.
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Erschienen in: Kinderärztliche Praxis, 2021; 92 (1) Seite 9